Uhrmacherin bietet kontaktlosen Service

Bei „Die kleine Uhrzeit“ von Susanne Stermann ist kontaktloser Service schon seit vergangenem Jahr möglich.

„Die Dankbarkeit der Menschen gibt mir unglaublich viel“, sagt die selbstständige Uhrmacherin Susanne Stermann aus Halverde, die ihren Kunden trotz Kontaktverbot ein Lächeln ins Gesicht zaubern will. Das kann sie zum Glück auch dann tun, wenn kein persönlicher Umgang möglich ist. Sie hat sich nämlich schon vor einiger Zeit etwas einfallen lassen, um rund um die Uhr Aufträge annehmen zu können.

Hauptberuflich arbeitet Susanne Stermann an einer Grundschule: „Ich liebe die Arbeit als Inklusionshelferin. Mir wurde selbst viel gegeben und so kann ich etwas zurückgeben.“ Das gilt auch für die Arbeit mit Schmuck. Mit „Die kleine Uhrzeit“ hat sich Stermann vor eineinhalb Jahren selbstständig gemacht: Freunde, Bekannte und andere Kunden vertrauen ihr ihre liebsten Stücke an, in der Hoffnung, dass die Uhrmacherin sie retten kann. So hat sie schon so manchem Erbstück neuen Glanz verliehen und zahlreiche Uhren durch einen Batteriewechsel wieder zum Leben erweckt. Auch, wenn ihre Idee vom eigenen Lädchen zunächst von manchen belächelt worden sei, habe Stermann nun reichlich zu tun, sagt sie. Durch ihre parallelen Jobs kann sie so zwei ihrer Passionen erfüllen: „Ich lebe mein Traumleben“, sagt die Halverderin.

Allerdings stellte sie das auch schon vor Herausforderungen. Da sie nicht rund um die Uhr bei ihrer hauseigenen Werkstatt sein kann, fanden Kunden diese außerhalb der Öffnungszeiten auch schon mal verlassen vor.

Es sei nicht selten vorgekommen, dass sie dann später Uhren im Blumenbeet fand, erzählt Stermann. „Die Leute hier aus dem Dorf haben wirklich sehr viel Vertrauen“, sagt die gelernte Uhrmacherin. Vieles sei nicht so anonym wie es vielleicht in der Stadt ist. „Unter unserer Fußmatte lagen mal zwei Armbanduhren, im Blumenkübel stand eine Wanduhr und im Blumenkasten war eine silberne Taschenuhr“, erinnert sich die Halverderin: „Da habe ich zu meinem Mann gesagt, Reinhold, wir müssen was machen, damit hier nicht überall Uhren rumliegen.“

Ein zweckentfremdeter Paketkasten diente deshalb fortan für Reparaturaufträge. Und so einfach funktioniert er: Zettel mit Kontaktdaten und Reparaturwunsch gemeinsam mit dem Schmuckstück in einen der ausliegenden Beutel geben und beides in den Kasten werfen. Beim Umbau habe der Briefkasten von innen ein dickes Polster erhalten, damit die Schmuckstücke eine weiche Landung haben. Abgesprochen werden müsse dies vorab nicht unbedingt, die Uhrmacherin melde sich nach getaner Arbeit oder zur Absprache bei ihren Auftraggebern.

Die Kunden der zweifachen Mutter haben so schon seit November vergangenen Jahres eine Möglichkeit, ihren Schmuck sicher abzulegen – in dieser Branche eine echte Seltenheit, die aber bisher sehr gut angenommen werde.

Stermann sagt: „Ich glaube, das ist die Zukunft.“ Die Leute seien alle immer mehr unterwegs, da sei es gut, ihre Aufträge rund um die Uhr entgegennehmen zu können.

Auch in Zeiten von Corona und mit herrschendem Kontaktverbot sei der Kasten Gold wert, denn er funktioniert natürlich auch vollkommen kontaktlos. „Im Moment muss im Kundenkontakt überall aufgepasst werden. Wir können so das Beste aus dieser schwierigen Lage machen“, so Stermann.

Wenn die Umstände es wieder erlauben, freut sie sich aber auch, ihre Kunden wieder persönlich bedienen zu können.

Quelle: IVZ-Aktuell