Eine Bauernhochzeit in Halverde

Traditionelle Bauernhochzeiten werden nur noch selten gefeiert. Mit ihr verbunden sind viele Hochzeitsbräuche, die je nach Region unterschiedlich sind.
Eine Bauernhochzeit in den Nachkriegsjahren in Halverde war immer ein Höhepunkt im Dorfleben; ein großes Fest nicht nur für die engere Verwandtschaft, sondern für die ganze Nachbarschaft und nicht selten für das ganze Dorf.
Hart arbeiten und kräftig feiern, das beherzigten auch die Menschen in Halverde. Es waren im wesentlichen das Schützenfest, das Feuerwehrfest und die Kirmes, die im Jahresverlauf des landwirtschaftlich geprägten Dorfes, die gesellschaftlichen Höhepunkte bildeten. Hier trafen sich die jungen Leute bei Musik und Tanz, lernten sich näher kennen und nicht selten fanden zwei Menschen zueinander. Im Gegensatz zur heutigen uneingeschränkten Mobilität, war es früher allenfalls das Fahrrad, das zu einer Unternehmung ins Nachbardorf zur Verfügung stand. Wenn dann die Bande zweier junger Menschen immer enger wurden, kam die Zeit, dass der junge Freier seine Angebetete im Haus ihrer Eltern aufsuchte.


Der „Jagdschein“

Wenn ein Mädchen gefreit wurde und sie dabei mit zunehmender Frequenz von einem jungen Mann Besuch bekam, blieb dies den kritischen Augen der Nachbarschaft nicht verborgen. Stand nach Lage der Dinge eindeutig fest, dass der junge Mann sogar schon zum Abendessen in dem Haus seiner Liebsten blieb, verabredete sich die Nachbarjugend zum „Jagdschein bringen“. Dies war eine Bescheinigung über die „Berechtigung“, im nachbarschaftlichen Territorium mit dem Nachbarmädchen zu freien. Vielköpfig marschierte man zumeist am Sonntagabend zum besagten Haus. Mit Schüssen aus dem Jagdgewehr machte man auf sich aufmerksam. Dem Freier sollte verdeutlicht werden, dass er sich entweder bekennen müsse, dass er offiziell um das Mädchen freit, oder andernfalls das Territorium dieser Nachbarschaft zu verlassen hatte. Bestätigte er seine „liebevolle Absicht“, hatte er dafür eine Ablösung zu zahlen. Daraufhin erhielt er den „Jagdschein“, mit dem er in dem für ihn „fremden Revier auf die Pirsch gehen durfte“, so das nachbarliche Dekret. Die Gruppe selbst zog sich zurück und gönnte sich mit der Ablösesumme einen langen Abend.

 

 

Die Verlobung

Waren sich die beiden jungen Menschen soweit einig geworden, ihr Leben gemeinsam zu meistern, stand eine offizielle Verlobungsfeier an. Nach Absprache fand die Feier in der Regel auf dem elterlichen Anwesen der Braut statt. Am festgelegten Tag, in der Regel ein Sonntag, besuchte man gemeinsam den Gottesdienst. Danach begaben sich die beiden zum Pfarrer, der die Verlobungsringe segnete. Das Mittagessen nahm man gemeinsam mit den Schwiegereltern ein. Zum nachmittäglichen Kaffee und Kuchen erweiterte sich der Kreis um die Geschwister der beiden Verlobten. Selbstverständlich wurde der Pfarrer zu dieser Feier eingeladen. In diesem Kreis steckten sich das Paar die Verlobungsringe auf. Draußen auf dem Hof herrschte derweil geschäftiges Treiben. Dort hatten die Nachbarn inzwischen bis zu 20 mit Gas befüllte Luftballons an Leinen aufgehängt. Ein Nachbar, der Schießmeister, brachte sie mit einer langen Lunte zur Zündung. Die ohrenbetäubenden Explosionen waren weithin zu hören. Das Verlobungspaar bedankte sich mit einer Flasche Schnaps bei den Nachbarn. Früher praktizierte man das Milchkannen-Schießen mit Karbid. Da war weitaus gefährlicher als mit dem Luft-Gas-Gemisch. Karbid wurde in eine Milchkanne gegeben. Dann goss man Wasser hinzu und verschloss die Kanne mit dem Deckel. Es entwickelte sich ein hochexplosives Gas, dass durch ein kleines Loch im Kannenboden entzündet wurde. In dessen Folge der Deckel mit einem äußerst lauten Knall vom Kannenhals gesprengt wurde. Damit der Deckel nicht unkontrolliert weit flog, war er mit einem längeren Seil oder einer Kette gesichert. Dieser recht gefahrenträchtige Brauch wurde in den Folgejahren durch das sog. „Luftbollonschießen“ ersetzt. Am Abend traf man sich auf der geschmückten Tenne zum Tanz. Nicht nur Tische und Bänke hatte der Wirt besorgt, ebenso reichlich Getränke für den Abend. Neben der Verwandtschaft fanden sich auch die direkten Nachbarn und die jüngeren Leute der erweiterten Nachbarschaft, sowie Freunde des Paares zusammen. Außer den Verwandten zahlten alle einen kleinen Obolus für die Getränke und die Musik. Eine Musikkapelle aus dem Dorf, die vom Verlobungspaar gebucht worden waren, spielte zum Tanz auf und ein fröhlicher, langer Abend stand bevor. War denn unerwartet das Bier ausgegangen, besorgte man sich nach einer Umlage Nachschub beim Bier liefernden Gastwirt aus dem Dorf.


 

Die Bekanntmachungen

Jetzt begannen die Planungen für die große Hochzeit. Mit Blick auf die arbeitsintensiven Zeiten der Bauern, empfahl sich zumeist der Frühsommer als günstigster Termin. Dies war die Zeit, wo alles gepflanzt und gesät war, aber noch nicht geerntet werden musste. Wichtig war es auch, dass die Kühe, die Rinder und die Pferde nicht mehr in den an der Diele liegenden Ställe standen, sondern draußen auf der Wiese waren. Die Hochzeitsfeier fand auf der Diele statt, weswegen sie blitzblank herausgeputzt wurde. Die Wände der seitlichen Viehställe und Diele wurden dazu weiß gekälkt. Wenn der Termin zur Hochzeit endgültig feststand, machte sich das Paar auf zum Standesamt, um das Aufgebot zu bestellen. Hiermit wurde der amtliche Teil der Eheschließung begonnen. Dazu gehörte die Bekanntmachung der beabsichtigten Eheschließung. In einem öffentlichen Schaukasten im Dorf wurde das schriftliche Aufgebot ausgehängt. „Sie hängen im Kasten“ hieß es dann. Einer der wichtigsten Teile der Vorbereitungen war das kirchliche Aufgebot. Auch der Pastor machte die Heiratsabsicht öffentlich bekannt, in dem er im Sonntagsgottesdienst, neben den allgemeinen kirchlichen Nachrichten, auch das Aufgebot des Brautpaares von der Kanzel aus „verkündete“. „Sie sind von der Kanzel gefallen“, so die manchmal überraschende Neuigkeit. Dies geschah an drei aufeinander folgenden Sonntagen. Es diente der Unterrichtung der Kirchengemeinde; verbunden mit der Aufforderung mögliche Einwendungen gegen die Eheschließung jetzt vorzubringen oder für immer zu schweigen. Nicht selten war eine solche Verkündigung eine Überraschung für die Kirchenbesucher, dann setzte leises Tuscheln und Murmeln in den Bänken ein. Spätestens jetzt wusste das ganze Dorf Bescheid. Das heiratswillige Paar vermied es, diesen entsprechenden Gottesdienst zu besuchen. Es war unschicklich hier anwesend zu sein.

 

Der Hochzeitsbitter

Mit dem kirchlichen Aufgebot begann die heiße Phase der Vorbereitungen. Dem „Hochtiedsnöger“ oder „Hochzeitsbitter“ fiel die Aufgabe zu, im Namen des Hochzeitspaares die Gäste einzuladen. Weil es Einladungskarten zur Hochzeit noch nicht gab, und zudem die meisten Gäste in der unmittelbaren Nachbarschaft, im Dorf oder im Nachbarort wohnten, wurden die Gäste persönlich eingeladen. In der Regel übernahm dies ein Bruder der Braut oder des Bräutigams oder ein Nachbar. Dieser erhielt eine Liste der einzuladenden Gäste und machte sich mit einem Fahrrad auf den Weg. Es wurde in der Regel die gesamte Familie eingeladen, Jung und Alt, auch wenn es drei Generationen waren. Dazu hatte er sich festlich gekleidet mit einem schwarzen Anzug, weißem Hemd mit Fliege und einem Zylinder. Auch das zuvor mit reichlich Papiergirlanden geschmückte Fahrrad kündete von Weitem vom bevorstehenden Fest. Bunte Bänder um den Zylinder, um den Gehstock und um seine Flasche Schnaps vervollständigten den farbigen Auftritt. In diesem Aufzug suchte er dann alle Familien und Personen auf, deren Namen auf einem Zettel standen, den ihm das Brautpaar mitgegeben hatte. Überall ward er gern gesehen und oft freudig erwartet. Seine Einladung formulierte er in einem längeren Spruch. Nach einer kurzen Stärkung machte er sich auf den Weg zum nächsten Einzuladenden. Wenn er denn abends nach einem langen Tag dem Brautpaar Vollzug meldete, sah er nicht selten „angeschlagen“ aus. Je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft konnten seine Auftritte mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Der Spruch des Hochzeitsbitters:

Hier setz` ich meinen Stock und Stab
und meinen Hut, den nehm` ich ab.
Hätt` ich ein Pferd gehabt, so wär` ich geritten,
da ich aber dies nicht haben kann,
so komm` ich auf meinem Stahlross an.
Ich komme nicht um etwas will zu haben,
sondern um euch zur Hochzeit einzuladen.
Braut und Bräutigam laden euch ein,
an diesem Tag soll die Hochzeit sein.
Ochs` und Mastvieh sind geschlachtet,
der Saal ist jetzt schon gepachtet.
Machet euch fein, aber nicht zu fein,
denn Braut und Bräutigam wollen die schönsten sein.
Wenn euch mein Spruch gefallen tut,
so schmückt mit einem bunten Band meinen Hut,
auch ist für mich ein Glas Bier oder ein Branntwein gut.


Die Vorbesprechung, dat „Berooen“

Tage vor dem eigentlichen Fest gab es viele Zusammenkünfte, um den Festtag ausgiebig zu besprechen. Am vorletzten Sonntag vor der Hochzeit trafen sich die Familienvorstände der Nachbarn, zum wohl wichtigsten Termin dem „Berooenim Hause des Bräutigams. Dabei stellte das Brautpaar seine Pläne über den Verlauf der Hochzeit vor. Der älteren Generation war es dabei wichtig, traditionelle Gepflogenheiten und Bräuche in der Nachbarschaft berücksichtigt zu sehen. Beide Ansprüche wurden in der Regel einvernehmlich „unter einen Hut“ gebracht. Die wichtigsten Termine rund um die Hochzeit, wie „Berooen“, Kränzen, „Höhnerohmt“, „Hahnhalen“ und Abkränzen wurden festgelegt. Die jungen Leute der Nachbarn waren für die Vorbereitung und Umsetzung der Arbeiten zuständig. Alle hatten sich schon lange vorher auf dieses Ereignis gefreut, auch wenn dies mit viel Arbeit verbunden war. Heute würden hierfür eher Dienstleister oder gar Eventmanager engagiert werden. Hauptorganisator aller vorbereitenden Aktionen war der sogenannte 1. Nachbar. Der aber ohne Hilfe seiner Nachbarn ein so großes Fest nicht alleine organisieren konnte.
Die Familien des Paares selbst hatte aber auch schon besondere Vorbereitungen getroffen. So waren, je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft, eigens ein bis zwei Schweine und ein Rind geschlachtet worden.
Ein wichtiger Punkt der Besprechung war, welcher Art das Hochzeitsgeschenk sein sollte. Hier gab es in den verschiedene Bauernschaften und Orten unterschiedliche Regelungen. Auch haben sich im Laufe der Jahre die Gebräuche grundlegend geändert. Waren es früher Naturalien, wie Butter, Schinken, Hühner o.ä., so wird heute fast nur noch Bargeld gewünscht.


Die Musiker

Die Halverder Musikanten: Ludwig Straten, Bernhard Ostholthoff und Josef Tebbe.

Recht frühzeitig hatte man sich schon um Musik zu kümmern. In Halverde gab es eine Tanzkapelle, die im Wesentlichen auf allen Familienfesten, wie Hochzeiten oder Verlobungen spielten. Das waren Bernhard Ostholthoff am Schlagzeug, Josef Tebbe mit dem Akkordeon und Ludwig Straten mit der Trompete. Die drei hatten Anfang der 50er Jahre zusammengefunden, um gemeinsam Musik zu machen. Schnell waren sie als Kapelle bekannt und machten zunächst in Halverde, dann auch in den Nachbarorten Musik auf öffentlichen und privaten Feiern. Die drei musste man rechtzeitig ansprechen, damit sie Urlaub nehmen konnten. In Halverde hat es von je her Musik interessierte junge Leute gegeben, die auch selbst ein Instrument hatten. Nach dem ersten Weltkrieg bis hin zum Ende des zweiten Weltkrieges spielten u. a. Karl Schnittker, Josef Büscher vom Langenacker, Alois Lohmeyer, Heinrich Krümpelmann und Franz Runge zumeist alleine auf den Familienfesten. Diese „handgemachte Musik“ war in dem landwirtschaftlich geprägten Halverde bei allen erdenklichen Feierlichkeiten nicht wegzudenken. Auf einer Hochzeitfeier hatten die Musiker schon am Morgen des Hochzeitstages ihren ersten Einsatz. Schon beim Frühstück in der Gaststätte spielten sie zur Untermalung, Danach ging`s mit Marschmusik zum Hof des Hochzeitspaares. Vorneweg der 1. Nachbar und die Musikkapelle. Auch zum Mittagessen und am Nachmittag sorgten sie für musikalische Unterhaltung, ehe sie am Abend auf der Tenne zum großen Tanz aufspielten.
Für die Musik einer Hochzeit mussten 25 Deutsche Mark pro Musiker bezahlt werden.


Die Köchin

An Essen und Trinken wurde bei einer Bauernhochzeit nicht gespart. Daher wurde eigens für dieses Fest eine Köchin engagiert. In ihrer Verantwortung lag nun, dass alle Hochzeitgäste satt und zufrieden wurden. Eine der Köchinnen war in den Jahren nach dem Krieg u. a. eine Frau Kamp aus Mettingen, Querenberg. Es musste mit ihr rechtzeitig Kontakt aufgenommen werden, war sie doch in ihrem Metier sehr gefragt. Als erfahrene Köchin, wusste sie, worauf es bei einer Bauernhochzeit ankam. Ihr zur Hand gingen die Nachbarfrauen. Schon am Tag vor der Hochzeit wurde sie geholt, da sie selbst nicht mobil war. Sie hatte immer entsprechend große Töpfe, Pfannen und Kochgeschirr mit dabei. Gleich begann sie mit der Planung und den ersten Vorbereitungen. Am Hochzeitstag sorgte sie mit Umsicht für ein reibungsloses Kochen, Garen und Anrichten, damit die Speisen zeitlich passend aufgetragen werden konnten. Ihre klare Ansprache garantierte einen reibungslosen Ablauf. Da die Kochstellen in den Haushalten für so ein großes Fest nicht allein ausreichten, wurde in vielen Fällen draußen ein zusätzlicher Herd mit austauschbaren Einsätzen betrieben. Hier wurde die Suppe mit dem Suppenfleisch gekocht und danach in einem anderen Einsatz für heißes Spülwasser gesorgt.


Der „Hohnerohmt“

Am Sonntag kam die gesamte Nachbarschaft zum „Hohnerohmt“ zusammen. Dies war eine lockere Zusammenkunft, bei der in früheren Jahren die Nachbarn ihre Hochzeitsgeschenke überbrachten. Waren es früher eher Naturalien, so wird heute Geld als Geschenk bevorzugt. Der Name rührt daher, weil früher die Nachbarn ein Huhn für die Brautleute mitbrachten. Regelungen in anderen Nachbarschaften sahen vor, dass dem Brautpaar ein Schinken und ein Pfund Butter zu übergeben war. In der Regel saß man in froher Erwartung auf das hohe Fest zusammen und amüsierte sich bei Bier und Schnaps. Oft sorgte in einer solchen Runde eine Mondolium-Spieler für gute Stimmung.


Das
Kranzbinden und -aufhängen

Der eigentliche Hochzeitstag war in der Regel der Mittwoch, so dass am Montag und Dienstag kräftig vorbereitet werden musste. Die letzten Tage vor dem Hochzeitsfest war die Zeit des Schmückens des Anwesens. Wenn nicht schon am Wochenende geschehen, wurde am Montag das Tannengrün und die Birken geschlagen. Ob zum Kranzbinden oder zum Rosenmachen, es wurden viele Hände gebraucht. Ob Jung oder Alt und Mann oder Frau, gemeinsam halfen alle. Dies waren wichtige und intensive Tage der Nachbarbarschaft. Man hatte lange auf das Ereignis gewartet, vielleicht darauf gefiebert, und war jetzt voller Freud, dass es los ging. Bei alten Dönnekes, lustigen Liedern und kühlen Getränken, eine gute Gelegenheit eine echte Nachbarschaft zu leben und ggfs. diese noch zu festigen. Die Arbeiten fanden auf dem Hof des 1. Nachbarn statt. Das Tannengrün für den Hochzeitsbogen und die jungen Birken zum Dekorieren der Diele und zum Markieren der Hofzufahrt, beschafften die Männer aus dem eigenen Wald. Die Frauen dagegen drehten in großer Runde hunderte von weißen Papierröschen. Auch hier wurde Gemeinschaft gelebt. Zeitnah begann man mit dem Binden des Bogens. Hier war handwerkliches Geschick gefragt. Die Arbeitsschritte waren festgelegt. Der Erste schnitt aus den größeren Tannenzweigen kleine Büsche, der Zweite reichte diese passgenau an den eigentlichen Binder. Dieser legte die kleinen Büschchen um einen dickes Tau und umwickelte sie mit dünnem Rosendraht. Fortlaufend wurde die Büschchen auf das zuvor Gebundene gelegt und wieder fest umwickelt. So entstand allmählich der Hochzeitsbogen, bestehend aus einem Tau mit umwickelten Tannengrün. Je nach Größe des Hauseinganges musste er bis zu 15m lang werden. Das Hochzeitpaar ließ sich auch hier nicht lumpen und schaute bei den fleißigen Nachbarn vorbei. Sie waren gern gesehen, brachten sie doch feste und flüssige Stärkung mit.
Spätestens am Tag vor der Hochzeit traf sich die gesamte Nachbarschaft zum „Bogenaufhängen. Unter großen Hollodrio marschierten sie in langer Reihe, den Bogen geschultert, zum Haus des Brautpaares. Hier wurde der Bogen über der Hauseingangstür gerichtet und mit den Papierrosen geschmückt. Zu guter Letzt präsentierte sich ein stolzer Storch auf dem Dachfirst. Er war das „Tüpfelchen auf dem I“ soweit es das Schmücken des Hofes anging. Ein alter Kinderwagen dazu und schließlich noch eine Wäscheleine mit Babybekleidung, wie Jäckchen und Strampler, waren mehr als ein deutlicher Wink an das Brautpaar. Heute sieht man den Storch eher selten. Der Grund könnte darin liegen, dass Adebar in vielen Fällen ohnehin zu spät käme.
Auch die Tenne und die Hofzufahrt wurden üppig geschmückt. Auf der Tenne, auf der das Hochzeitsessen und abends der Tanz stattfinden sollten, waren die Sandsteinplatten sauber geschrubbt. Auch die Wände und die angrenzenden Pferde-, Kuh- oder Schweineställe waren akkurat weiß gekälkt worden. Die Tenne selbst glänzte mit ausgeschlagenem Birkengrün und Girlanden. Die geschmückten Tischen und Bänken vom Gasthof im Dorf komplettierten den festlichen Raum.


Das „Häckselpättken“

Eine alte Gepflogenheit war das Streuen eines Häckselpättkens.
In der Nacht vor der Hochzeit markierten die jungen Leute aus dem Bekanntenkreis des Paares den Weg vom Haus der Braut zum Hof des Bräutigams mit Häcksel. Dies war mit der Häckselmaschine kurzgeschnittenes Stroh, welches zum Verfüttern an Rindern diente. Wenn auf diesem Weg auch eine weitere „Verflossene“ des Mannes wohnte, wurde auch dieser Weg markiert. Die bunte unternehmungslustige Truppe, setzte sich aus dem Freundeskreis, der Feuerwehr, dem Kolping, dem landwirtschaftlichen Ortsverein oder dem Sportverein zusammen. Mit diesem Brauch sollte aufgezeigt werden, dass die Braut oder der Bräutigam vorher schon mit einer oder einem Anderen liiert gewesen war und dies sich nun angesichts der Hochzeit in Trauer hüllte. Sehr drastisch war es, wenn oben in einem Baum am Hof auch noch eine Puppe aufgehängt worden war. Diese sollte eine Verflossene darstellen, die vor lauter Kummer hier ihr Ende fand. In den sechziger Jahren nahm man in Ermangelung von Häcksel weißen Sand zum Streuen. Je nach Engagement der jungen Leute konnte dieser Weg auch mehrere Kilometer lang sein. Manchmal führte er sogar bis ins Nachbardorf.


Die Arbeitseinteilung zum Hochzeitstag

Das Brautpaar wird mit der Kutsche zur Kirche gefahren

Wegen der großen Hochzeitsfeier hatte man sich beim Kranz aufhängen am Vorabend zurückgehalten. Denn alle mussten fit sein, weil jeder auf einen bestimmten Posten zur Arbeit eingeteilt war. Standesgemäß gehörte es sich, dass das Brautpaar mit einer Kutsche zur Kirche gefahren wurde. Diese Aufgabe fiel dem 1. Nachbarn zu. Wenn er denn nicht selbst die Kutsche führte, dann gehörte ihm der Platz oben auf dem Bock neben dem Kutscher. Die Kutsche, das Geschirr der Pferde und die Pferde selbst waren auf hochzeitlichen Glanz gebracht. Zum Kaffeetrinken in der Gaststätte mussten neben den Mädchen auch die Jungen beim Bedienen helfen. Einige der Nachbarn mussten dafür sorgen, dass zum Mittagessen „geschossen“ wurde. Dazu wurden in den 50er Jahren in der Werkstatt des Schmiedes Kramer/Schuckmann Luftballons mit einem Luftgasgemisch gefüllt. Rechtzeitig hingen sich an einem Zaun oder einer frei gespannten Leine. Sobald die Suppe aufgetragen wurden, brachte der „Schießmeister“ der Nachbarn die Ballone zur Explosion. Als Kellnerinnen und Kellner fungierte beim Mittagessen erneut die Nachbarjugend. Sie waren mit weißen Hemden und Blusen einheitlich gekleidet. Wogegen die älteren Damen der Köchin in der Küche beim Anrichten der Speisen behilflich waren.


Der Hochzeitstag

Eine kirchliche Hochzeit war das herausragendste und bedeutendste Ereignis im Leben zweier christlicher, junger Menschen. Nicht nur sie schlossen unter dem Dach der Kirche einen Bund fürs Leben, sondern es fanden zwei Familien in einem neuen Verwandtschaftsverhältnis zueinander. Die standesamtliche Trauung hatte einige Tage vor dem eigentlichen Hochzeitfest stattgefunden. Standesbeamter war Johannes König, der das Amt im Jahr 1958 an Josef Ahrens übergab. Nach dessen Tod im Jahr 1971, wurde diese Aufgaben einem hauptamtlichen Beamten der Gemeinde Hopsten übertragen.


Das Wegschießen der Braut am Morgen des Hochzeitstages

Die Trauungszeremonie am Altar der Halverder Pfarrkirche.

Zur Brautmesse um 09.00 Uhr wurde die Braut zunächst mit der Kutsche von zuhause abgeholt. Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die Bräute noch ein schwarze Brautkleider.
Beginnend mit den 1920er Jahren, wurde ein weißes Brautkleid obligatorisch. Oben auf dem Kutschbock saß der 1. Nachbar. Die Nachbarn der Braut standen schon bereit, um sie „wegzuschießen“. Dazu diente in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren eine ausgediente Milchkanne und Karbid, und später, Anfang der 50er Jahre, füllte man Luftballons mit einem explosiven Luft-Gas-Gemisch. Die Ballone wurden dazu von einem „Schießmeister“ der Nachbarn zur Explosion gebracht. Die Zündung erfolgte mit einer langen Stange, an deren Ende ein getränkter Stofflappen befestigt war. Der Lappen wurde angezündet und die Flamme an einen Ballon gehalten, was zur sofortigen Explosion führte. Unter lautem Böllern wurde die Braut von der Nachbarschaft verabschiedet.
Die zurückbleibenden Nachbarn wurden nun von „Einhütern“ des Elternhauses der Braut mit Speis` und Trank versorgt. „Einhüter“ waren gute Bekannte oder Verwandte, die selbst nicht zur Hochzeitsgesellschaft gehörten. Sie erledigten alle notwendigen tagesaktuellen Arbeiten an Haus und Hof. Beim Wegschießen selbst bewirteten sie die inzwischen durstigen und hungrigen Nachbarn. Ein solches morgendliches „Wegschießen“ konnte bis in den Nachmittag dauern.


Die kirchliche Hochzeit

Die Doppelhochzeit Üffing/Lammers im Jahre 1936
Nach dem Trauung die Gratulationscour vor dem Hauptportal

Vom Hof des Bräutigams machte sich das Paar in einer Kutsche auf den Weg zur Kirche. Unter lautem Glockengeläut warteten schon der Pfarrer und der Organist. Bis Mitte der 30er Jahre trugen die Bräute schwarze Brautkleider. Später waren es weiße Kleider mit teils langem Schleier. Ab den 60er Jahren waren dann auch vereinzelt Bräute in Kostümen zu sehen. Wenn denn die Braut mit einem langen Schleier ausgestattet war, trugen zwei ebenfalls in weiß gekleidete Engelchen die Schleppe. So schritt das Paar zum Altar. In seinem Gefolge die Trauzeugen, sogenannte Nebengänger und die Familienangehörigen der beiden Familien, nebst Onkel und Tanten und oft noch die Neffen und Nichten. Nebengänger waren in der Regel unverheiratete Geschwister der Brautleute. Die kirchliche Trauzeremonie fand im Rahmen der Heiligen Messe statt. Mit dem Kirchenlied: „Großer Gott wir loben dich“, erfolgte der feierliche Auszug aus der Kirche. War denn die übliche Gratulationscour zu Ende, begab sich die Hochzeitsgesellschaft zum Frühstück in die Dorfgaststätte. Die Brautleute stattdessen gingen direkt zum Pfarrer, um mit ihm allein zu frühstücken. Nach alter Sitte galt dem Pfarrer der erste Besuch eine frischen Ehepaares. Damit sollte die besondere Verbundenheit mit der Kirche demonstriert werdenDie Hochzeitsgesellschaft frühstückte derweil ohne Brautpaar in der Gaststätte. Hungrig waren alle, denn sowohl Brautpaar als auch die gesamte Gesellschaft hatten in der Messe die Heilige Kommunion empfangen. Sie waren daher noch nüchtern, denn bis 1957 mussten die Katholiken, die die Heilige Kommunion empfangen wollten, ab Mitternacht des Tages nüchtern bleiben (Eucharistische Nüchternheit). Ab 1957 wurde diese Beschränkung auf 3 Stunden gekürzt. Heute gilt, dass man innerhalb einer Stunde vor dem Empfang der Kommunion keine festen oder flüssigen Nahrungs- oder Genussmittel zu sich nehmen soll.
Nach dem Frühstück beim Pfarrer stieß das Brautpaar wieder zur Hochzeitsgesellschaft. Mit einem Fußmarsch machte man sich der lange Festzug auf den Weg zum Hof des Bräutigams. Die Musiker und der 1. Nachbar marschierten vorne weg. Nicht selten kam es vor, dass der lange Zug unterwegs anhalten musste, weil „gestrüppt“ wurde. Dazu hatten zumeist Kinder und Jugendliche, in der Art von Wegelagerern, ein Seil quer über die Straße gespannt, um Süßigkeiten oder gar ein bisschen Kleingeld zu fordern. Waren auch Erwachsene an einer solchen Sperre nicht unbeteiligt, erhielten sie eine „Stärkung“ aus der mitgeführten Flasche. Der 1. Nachbar hatte sich dazu vorsorglich, im Sinne des Bräutigams, mit dem Notwendigen zum „Freikaufen“ ausgestattet. Schließlich erreichte man zum Mittagessen den Hof.


Das Hochzeitsessen

Zwei Nachbarmädchen empfingen die Gäste unter dem geschmückten Hochzeitsbogen am Hauseingang. Mit einem einladenden Gedicht und einem Glück- und Segenswunsch im Namen der Nachbarn, wurde das Brautpaar begrüßt. Brautpaar und Nebengänger erhielten einen Begrüßungstrunk und führten die Gäste auf die Diele. An den festlich geschmückten langen Tischreihen wies der Hochzeitsbitter allen ihren Platz zu. Die beiden Begrüßungsdamen freuten sich derweil über die freundlichen Spenden auf ihrem Serviertablett.
Der Pfarrer, der natürlich eingeladen war, sprach das Tischgebet. Anschließend gab der 1. Nachbar das Signal für die Kellnerinnen und Kellner zum Auftragen der Suppe. Es gab die typische Hochzeitssuppe als kräftige Rinder-Hühner-Brühe mit Einlage. Darauf folgte die sogenannte Vorspeise als Hühnerfleischragout und Suppenfleisch mit Zwiebelsoße. Das darauf folgende Hauptgericht bestand aus einen saftigem Schinkenbraten von Schwein und Rind mit Salzkartoffeln und Gemüse aus Erbsen, Möhren und Blumenkohl. Als Nachtisch reichte man verschiedene Sorten Pudding und Milchreis. Zwischen den einzelnen Gängen trugen Jungen und Mädchen kleine Hochzeitsgedichte vor. Die Musikanten unterhielt die Festgesellschaft mit leichter musikalischer Untermalung.


Der Nachmittag

Bei großen Hochzeiten fanden Nachbarn und Helfer Platz auf dem Hinterhof der Gaststätte Theissen. Im Vordergrund eine großer Kochkessel.

Nach dem Dankgebet fand man beim „Füßevertreten“ viel Zeit, sich über Gott und die Welt zu unterhalten oder noch unbekannte Hochzeitsgäste, z. B. die „andere Seite“, kennen

zulernen. Wichtig war es auch, den Hof des Bräutigams in Augenschein zu nehmen. So inspizierte man die Ställe und das Vieh, sowie die Scheune und den landwirtschaftlichen Fuhrpark des Hofes. Alles war zuvor bestens hergerichtet worden, um einen guten Eindruck zu machen. Die Damen ließen sich die Aussteuer der Braut zeigen. So wie die Überlieferungen sagen, wurde beim „Bekieken“ ganz besonders auf den Inhalt des Wäscheschrankes geachtet. Nicht wenige Bräute hatten extra dazu die Schneiderin Theresia Ameling eingeladen, die auch das Brautkleid genäht hatte. Man sagte ihr nach, mit einer relativ spärlichen Ausstattungswäsche der Braut. große Schrankfächer geschickt vollflächig füllen zu können. So wurden eventuelle Defizite bezüglich der Ausstattung geschickt kaschiert. Die kritisch prüfende Verwandtschaft war dann voll des Lobes ob der vermeintlich üppig gefüllten Kommoden und Wäscheschränke.
So näherte man sich dem Kaffeetrinken. Es gab Platenkuchen mit gutem Kaffee. Dies war auch die Zeit um die üblichen Hochzeitsfotos zu machen. Dazu hatte man den Fotografen Klemens Stegemann eingeladen. Er besaß eine professionelle Fotoausrüstung und war in Halverde der einzige Fotograf. Er machte nur die offiziellen Brautfotos vom Brautpaar, von den Nebengängern und Eltern und den Engelchen. Weil in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren niemand eine Kamera hatte, fehlen heute Schnappschüsse oder Situationsaufnahmen vom Fest.


Der Abend

Pfarrer August Schulte im Hinterhoff der Gaststätte Theissen im Gespräch mit Hochzeitsgästen

Zum Abendessen waren zusätzlich auch die Einhüter eingeladen, die tagsüber die notwendigen Fütterungs- und Versorgungsarbeiten verrichtet hattenJetzt erreichte die Gästezahl nicht selten die 200. Die Speisenfolge glich, bis auf den Pudding, im Wesentlichen der des Mittagessens. Zum Ende des Essens präsentierte sich die Köchin holte sich ihr Lob vom Brautpaar und der ganzen Gesellschaft. Sie nutzte die in der Regel überschäumende Zustimmung für ihre Arbeit und ging mit einer großen Schöpfkellen durch die Tischreihen, um noch ein Trinkgeld einzusammeln. Ihr Auftrag, für die Hochzeitgesellschaft ein schmackhaftes Essen zu kochen, war damit erledigt.
Nach dem Essen wurden die Tische zur Seite gestellt und die Holzbänke an die außenliegenden Stallwände geschoben, um Platz zu schaffen für eine große Tanzfläche. Inzwischen hatte auch die Theke ihren Betrieb aufgenommen. Unter dem Thekentisch warteten mehrere hölzerne Bierfässer auf durstige Kehlen. Zum Ausschenken war eines der Fässer an eine Kohlensäureflasche angeschlossen worden. Durch den Kühlkasten, der auf dem Tisch stand, floss das Bier zum Zapfhahn. Gekühlt wurde mit Kunsteis, das ständig nachgefüllt werden musste. Ausgeschenkt wurden daneben noch Schnaps und alkoholfreie Getränke wie Fanta oder Regina.
Die Musikkapelle, die vorher noch leise Musik zur Untermalung beim Abendessen gespielt hatte, übernahm nun das Kommando und spielte zum Tanz auf. Als erstes luden sie nach einer bestimmten Reihenfolge zu den Ehrentänzen. Dazu bildete die gesamte Gesellschaft zunächst ein großen Kreis. In diesen trat natürlich das Brautpaar zum Brauttanz ein. Sodann wurden die Trauzeugen und die Eltern des Brautpaares dazu gebeten.Zum Schluss reihten sich auch noch die Geschwister mit ein. Die Umstehenden klatschten im Takt der Musik. In der Regel wählten die Musikanten einen Walzer zu den Eröffnungstänzen. Am Ende dieser Auftakttänze wurden alle Gäste zum Tanzen aufgefordert. Den Ablauf festlichen Abends bestimmten dann die Musiker. Wenn sie drei Tanzmusikstücke gespielt hatten, luden sie die Akteure zum Marsch an die Theke ein. War der Durst erkennbar gestillt, folgte die nächsten Tänze. Zwischendurch flochten die Musiker lustige Tanzspielchen ein. Auf keinen Fall durfte eine Polonaise fehlen. Um Schuhe und Sohlen zu schonen, streute man zwischendurch Waschpulver als Gleitmittel auf den Tennenboden. Um Mitternacht wurde unter großem Hallo der Schleier abgenommen, um damit den Schleiertanz zu kreieren. Dabei tanzte die Braut zunächst alleine unter ihrem zuvor abgenommenen Schleier, der von den Nachbarn als Baldachin hochgespannt wurde. Wer mit der Braut tanzen wollte, musste zuvor eine Münze oben in den Schleier werfen. In der Regel herrschte dabei immer großer Andrang, den jeder wollte einmal mit der Braut tanzen. Wenn denn in der Nachbarschaft noch irgendeine Nebelkappe aufzutreiben war, wurde ihr diese historische Kopfbedeckung nun aufgesetzt. Gegen Ende der Feierlichkeiten warf die Braut ihren Strauß nach hinten zu der Gruppe der unverheirateten Frauen. Diejenige, die den Brautstrauß ergatterte, würde, so der Glaube, als nächste heiraten.

Erst in den frühen Morgenstunden ging das Fest zu Ende.


Der zweite Tag

Zur Nachfeier der Bauernhochzeit gab es auch in Halverde unterschiedliche Varianten. Morgens nach der Hochzeit trafen sich die Nachbarn und engsten Verwandten wieder auf dem Hof des Brautpaares. Die Brautleute wollten sich für den gut eine Woche dauernden Einsatz bedanken. Auf der Tenne nahm man wieder Platz. Es gab reichlich zu essen und zu trinken. Das Mittagessen hatte die Braut selbst zubereitet, um zu beweisen, dass sie auch kochen konnte. Es waren die vom Hochzeitsfest übrig gebliebenen Speisen. Man saß lange zusammen und musste schließlich am späten Nachmittag wegen nachlassender Kondition endgültig zum Ende kommen.
Im anderen Fall traf man sich ebenfalls morgens auf dem Hof des Brautpaares. Jetzt ging es zum „Hahn halen“. Ziel war das elterliche Anwesen der Braut. War der Weg für einen Fußmarsch zu lang, stand ein geschmückter Anhänger mit Traktor bereit oder es wurde gar ein Reisebus gechartert. Laut singend steuerte die fröhliche Gesellschaft in Richtung des Anwesen der Brauteltern. Am Ziel angekommen wurden die Gäste erst einmal bewirtet. Dazu gehörte das Spiegeleieressen. Die hungrigen Mäuler verspeisten viele Portionen von Ei mit Brot.
Ein Hahn war bald gefangen und für den Rücktransport „präpariert“. Überliefert ist dazu, dass man sich dabei auch des Alkohols bediente. Diese Unart wurde recht bald nicht mehr praktiziert. Die Rückfahrt war ebenso stimmungsvoll wie die Hinfahrt. Der Braut wurde der Hahn übergeben. Nun neigten sich die doch recht langen und genussintensiven Hochzeitfeierlichkeiten dem Ende. Man trennte sich, nicht ohne sich zum finalen Bogen abhängen zu verabreden. Spätestens nach zwei Wochen stand dieser letzte Akt an. Der Boden fand dann den Weg zu dem Hof, auf dem mit der nächsten Hochzeit zu rechnen war. Auch dieser Abend wurde in der Regel ein sehr langer.


Verfasser: Josef Brinker, Ibbenbüren
Fotos: J. Lammers, Halverde
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